Tempelruhe, Floating Market und ein Abend am Jomtien Beach

Der Mittwoch begann ruhig, fast schon ungewöhnlich ruhig für Pattaya. Nach dem gestrigen Tag mit Delfinen, Eiswelt und Rock’n’Roll wollte ich heute nicht direkt wieder in Bars oder Clubs eintauchen. Mittwoch ist bei mir noch Ausflugstag – also raus aus dem Zentrum, raus aus dem ständigen Hupen, den Beer-Bar-Rufen und dem Beach-Road-Gewusel. Heute sollte es ein Tag werden, der ein bisschen mehr nach Kultur, Sonne, Wasser, Marktgerüchen und entspanntem Abend schmeckt.

08:30 Uhr – Langsamer Start und ein Kaffee mit Aussicht auf den Tag

Ich saß am Morgen mit einem starken Kaffee da und merkte sofort: Heute wird heiß. Nicht nur warm, sondern diese typische Pattaya-Hitze, die schon früh sagt: „Mach langsam, Farang.“ Genau deshalb wollte ich früh los. Gegen neun schrieb mir Nisa, eine schlanke Thai aus Jomtien, mit der ich vor ein paar Tagen kurz gechattet hatte. Sie war neugierig, offen, ein bisschen frech – genau die Sorte Frau, bei der man nie weiß, ob sie wirklich mitkommt oder erst fünf Minuten vorher absagt.

Diesmal kam keine Absage. Nur eine kurze Nachricht: „I ready. You not late?“ Das war natürlich ein Angriff auf meine europäische Pünktlichkeit. Ich antwortete: „I am German. I wait already before I leave.“ Darauf kam nur ein lachendes Emoji.

10:00 Uhr – Wat Yansangwararam: Ruhe statt Beach Road

Unser erster Stopp war Wat Yansangwararam, südlich von Pattaya. Schon die Fahrt dorthin fühlte sich an wie ein kleiner Neustart. Die Straßen wurden weiter, die Luft trockener, und Pattaya rückte langsam in den Hintergrund. Keine Neonreklamen, keine lauten Musikfetzen, keine Hektik – stattdessen Bäume, gepflegte Anlagen und diese ruhige, fast feierliche Stimmung, die man an thailändischen Tempelanlagen oft spürt.

Nisa war plötzlich deutlich leiser als sonst. Im Taxi hatte sie noch Witze gemacht, aber auf dem Tempelgelände wurde sie ruhiger, fast respektvoll. Ich mochte das. Es zeigte wieder diese andere Seite der Thai Girls, die man in Pattaya schnell vergisst, wenn man sie nur aus Bars, Clubs oder Dating-Apps kennt. Nisa erklärte mir ein paar kleine Rituale, zeigte mir, wo man die Schuhe auszieht, und lachte nur leise, als ich mal wieder etwas zu vorsichtig fragte, ob ich hier fotografieren darf oder nicht.

Die Anlage war weitläufig und angenehm. Es gab stille Wege, Wasserflächen, gepflegte Gärten und Tempelgebäude, die in der Sonne hell leuchteten. Ich merkte, wie gut dieser Kontrast tat. Gestern Eiswelt und Rockbar, heute Tempelruhe. Genau das ist Pattaya, wenn man sich nicht nur von der lautesten Seite der Stadt führen lässt.

11:45 Uhr – Viharn Sien: Chinesische Kunst, Statuen und Nisas Fotoregie

Nur ein Stück weiter besuchten wir Viharn Sien, auch bekannt als Anek Kusala Sala. Von außen wirkt der Ort schon anders als viele klassische Tempelanlagen: chinesische Architektur, kräftige Farben, Statuen, kunstvolle Details und dieses Gefühl, dass hier Thailand und China auf eine sehr eigene Weise ineinanderlaufen.

Nisa war sofort im Fotomodus. Sie zeigte auf Statuen, Treppen, Türen, Laternen und sagte ständig: „Here good picture.“ Ich hatte kaum Zeit, selbst zu schauen, weil sie mich alle paar Meter irgendwo positionierte. Mal vor einer Statue, mal neben einem Eingang, mal mit ernstem Gesicht, mal mit Lächeln. Als ich einmal fragte, warum sie so viele Fotos macht, sagte sie trocken: „Because your face old, but today light good.“

Damit war die Stimmung endgültig gebrochen. Ich lachte so laut, dass sich ein älterer Tourist kurz umdrehte. Nisa grinste nur unschuldig, als hätte sie gerade ein Kompliment verteilt.

Drinnen war Viharn Sien überraschend spannend. Kunstwerke, Figuren, chinesische Motive, historische Objekte und diese Mischung aus Museum, Tempel und Kulturhalle. Es war kein Ort, durch den man einfach nur durchläuft. Man bleibt stehen, schaut genauer hin, entdeckt Details und merkt, dass Pattaya eben nicht nur aus Stränden und Nachtleben besteht.

13:30 Uhr – Kleine Pause und Thai-Snacks unterwegs

Nach so viel Kultur brauchten wir eine Pause. Nicht groß, nicht teuer, einfach etwas Kaltes zu trinken und ein paar Snacks. An einem kleinen Stand holte Nisa gegrillte Spieße, klebrigen Reis und etwas, das sie mir erst nach dem ersten Bissen genauer erklärte. Zum Glück war es harmlos – und ziemlich gut.

Wir saßen im Schatten, sie mit ihrem Getränk, ich mit leicht glänzender Stirn und dem Gefühl, dass mein Körper noch immer nicht ganz verstanden hat, wie man elegant durch einen thailändischen Maitag kommt. Nisa nahm das natürlich zum Anlass, mich zu necken. „You need Thai training.“ Ich fragte, was das bedeutet. Sie zeigte auf die Sonne und sagte: „Walk slow. Eat spicy. Never complain.“

Ich versprach, an mindestens einem dieser drei Punkte zu arbeiten.

15:00 Uhr – Pattaya Floating Market: Wasserwege, Holzstege und Gewürzduft

Am Nachmittag ging es weiter zum Pattaya Floating Market. Ich war schon gespannt, weil solche Orte immer ein bisschen zwischen Touristenattraktion und echtem Thailand-Gefühl schwanken. Genau dieser Mix macht sie aber interessant. Holzstege, kleine Boote, Garküchen, Souvenirstände, Wasser, Stimmen, Gerüche – alles zusammen wirkt wie eine eigene kleine Welt.

Nisa führte mich zielstrebig durch die Wege, als hätte sie dort einen geheimen Schlachtplan. Erst ein Getränk, dann etwas Süßes, dann ein kurzer Blick auf Handwerksstände, dann wieder Essen. Ich hatte keine Chance. Sie kaufte kleine Kokos-Snacks, ließ mich probieren und beobachtete mein Gesicht wie eine Lehrerin bei einer mündlichen Prüfung. Wenn ich nickte, war sie zufrieden. Wenn ich zu lange überlegte, sagte sie: „You not understand Thai dessert.“

Der Markt hatte diese typische Pattaya-Postkartenenergie: ein bisschen inszeniert, ein bisschen chaotisch, aber voller Motive. Boote glitten langsam durchs Wasser, Händler riefen freundlich, Kinder liefen über die Stege, Touristen machten Fotos, und irgendwo brutzelte immer etwas in Öl. Es war kein Ort für Stille, aber ein guter Ort für Farben, Gerüche und kleine Szenen.

Besonders schön war ein Moment auf einer Holzbrücke. Nisa blieb stehen, schaute aufs Wasser und sagte plötzlich: „Many tourists come Pattaya only for nightlife. But Thailand have many mood.“ Genau das war der Satz des Tages. Viele Stimmungen. Genau darum geht dieses Tagebuch eigentlich.

18:30 Uhr – Sunset-Stimmung im Cave Beach Club

Zum Abendessen wollte ich heute ans Meer, aber nicht zurück in dieselbe Ecke wie gestern. Also fuhren wir nach Na Jomtien zum Cave Beach Club. Die Location hat diesen entspannten Beachclub-Stil, ohne dass es sich direkt wie eine überdrehte Partyfläche anfühlt. Viel Holz, helle Töne, Strandgefühl, Meerluft und eine Atmosphäre, bei der man automatisch langsamer wird.

Wir bekamen einen schönen Platz, bestellten Seafood, ein paar Thai-Gerichte und kalte Getränke. Die Sonne stand schon tiefer, das Licht wurde weicher, und für einen Moment wirkte alles fast zu ruhig für Pattaya. Nisa saß mir gegenüber, spielte mit dem Strohhalm in ihrem Glas und erzählte von Jomtien. Sie meinte, Jomtien sei für sie ehrlicher als viele Teile von Central Pattaya. Weniger Show, mehr Alltag, mehr Meer.

Ich konnte ihr nicht widersprechen. Während am Horizont die Farben langsam wechselten, hörte man Wellen, leise Musik und Gesprächsfetzen von anderen Tischen. Kein Druck, keine große Inszenierung. Nur ein guter Abend mit einer schönen Frau, gutem Essen und dieser besonderen Pattaya-Leichtigkeit, die genau dann kommt, wenn man aufhört, sie zu suchen.

21:00 Uhr – Jomtien Night Market: Streetfood, Lichter und kleine Flirts

Nach dem Essen war der Abend noch nicht vorbei. Nisa schlug den Jomtien Night Market vor, und ich sagte sofort ja. Ein Nachtmarkt ist oft der perfekte Abschluss fĂĽr einen Ausflugstag: nicht zu wild, nicht zu langweilig, und immer gut fĂĽr ein paar kleine Ăśberraschungen.

Der Markt war lebendig, aber nicht unangenehm voll. Überall roch es nach gegrilltem Fleisch, Seafood, süßen Pancakes, Früchten und frittierten Snacks. Händler riefen, Musik lief irgendwo im Hintergrund, und am Rand saßen Leute mit Getränken und Essen, während die Nacht langsam über Jomtien fiel.

Nisa bestand darauf, dass ich Mango Sticky Rice esse. Ich behauptete, ich sei schon satt. Sie sah mich an, als hätte ich gerade eine kulturelle Beleidigung ausgesprochen. Also aß ich Mango Sticky Rice. Natürlich hatte sie recht. Es war genau der richtige Abschluss: süß, klebrig, frisch und viel besser als jede vernünftige Entscheidung.

Später liefen wir noch ein Stück am Strand entlang. Jomtien war ruhiger als Pattaya Beach, aber nicht tot. Kleine Gruppen saßen im Sand, Roller fuhren vorbei, irgendwo lachte jemand laut, und vom Markt her kamen immer noch Essensgerüche herüber. Nisa ging neben mir, nicht zu nah, nicht zu distanziert. Genau diese Art von Nähe, die in Pattaya oft mehr sagt als große Worte.

23:30 Uhr – Zurück mit Sand an den Schuhen und einem guten Gefühl

Gegen halb zwölf verabschiedeten wir uns. Kein Drama, keine Versprechen, keine große Szene. Sie gab mir einen kurzen Kuss auf die Wange und sagte: „Today you learn Thailand little bit.“ Ich nickte. Sie hatte recht.

Der Tag hatte nicht die Lautstärke eines Clubabends und nicht den Wahnsinn einer Walking-Street-Nacht. Aber er hatte etwas anderes: Tempelruhe, Kunst, Marktchaos, Meerblick, Streetfood und eine Frau, die mir mit einem frechen Lächeln erklärte, dass ich noch viel lernen muss.

Und genau deshalb war dieser Mittwoch gut. Nicht wild. Nicht übertrieben. Aber echt genug, um hängen zu bleiben.

Location-Infos zum heutigen Tag

Wat Yansangwararam: Eine weitläufige Tempelanlage südlich von Pattaya mit ruhigen Wegen, gepflegten Gärten und spiritueller Atmosphäre. Ideal für einen entspannten Vormittagsausflug abseits des Stadttrubels.

Viharn Sien / Anek Kusala Sala: Ein chinesisch-thailändisch geprägter Kultur- und Tempelkomplex mit Statuen, Kunstwerken und historischen Ausstellungsstücken. Besonders gut kombinierbar mit Wat Yansangwararam.

Pattaya Floating Market: Touristisch, aber farbenfroh und fotogen. Holzstege, kleine Boote, Souvenirs, Snacks und Thai-Gerichte machen den Markt zu einem guten Nachmittagsstopp.

Cave Beach Club: Beachclub und Restaurant in Na Jomtien mit entspannter Atmosphäre, Meerblick, Drinks und Essen. Besonders schön zum Abendessen und für Sunset-Stimmung.

Jomtien Night Market: Abendmarkt an der Jomtien Beach Road mit Streetfood, kleinen Shops, Snacks und lockerer Strandatmosphäre. Sehr gut für einen entspannten Abschluss nach einem Tagesausflug.

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