Pub-Start, indisches Dinner und Rockmusik auf der Walking Street

Donnerstag. Damit war klar: Heute kein großer Tagesausflug, kein Tempel, kein Markt mit Holzstegen und auch kein Kulturprogramm bis in den Nachmittag. Ab Donnerstag gehört Pattaya wieder der Nacht. Trotzdem wollte ich den Tag nicht erst um 19 Uhr beginnen lassen. Pattaya hat auch tagsüber seine kleinen Szenen, besonders wenn man sich einfach treiben lässt und nicht sofort in die lauteste Ecke rennt.

10:00 Uhr – Später Start in Central Pattaya

Ich kam heute bewusst langsam in den Tag. Nach den letzten Ausflugstagen fühlte sich der Morgen fast wie eine Pause zwischen zwei Kapiteln an. Unten auf der Straße war Pattaya schon wach: Motorbikes, Essensstände, Baht-Busse, ein paar müde Nachtschwärmer und dieses permanente Hintergrundrauschen, das hier nie ganz verschwindet.

Beim Kaffee schrieb mir Ploy, eine Thai aus South Pattaya, die ich vor ein paar Tagen über eine Bar-Bekanntschaft kennengelernt hatte. Sie war Anfang zwanzig, frech, schnell im Chat und hatte diese Art von Humor, bei der man nie weiß, ob sie gerade flirtet oder einen testet. Als ich schrieb, dass heute ein ruhiger Start und später Walking Street geplant sei, kam sofort: „You need guide. You get lost easy.“

NatĂĽrlich war das Unsinn. Ich verlaufe mich in Pattaya nicht. Ich lande nur manchmal sehr kreativ an anderen Orten als geplant.

12:30 Uhr – Lunch im The Sportsman Pub & Restaurant

Wir trafen uns mittags beim The Sportsman Pub & Restaurant in der Soi 13 nahe Beach Road. Der Laden ist eine dieser Pattaya-Adressen, die weniger nach Hochglanz und mehr nach eingespieltem Alltag wirken. Expats, Sportbildschirme, Frühstücksteller, Pubfood, kalte Getränke und eine Atmosphäre, die sofort sagt: Hier sitzen Leute nicht nur, weil sie Hunger haben, sondern weil sie bleiben wollen.

Ploy kam gut gelaunt herein, setzte sich mir gegenüber und musterte kurz die Speisekarte. „Farang food today?“ fragte sie. Ich sagte, dass ein Pub am Donnerstag als solide Grundlage für die Nacht zählt. Sie nickte ernst, als hätte ich gerade eine medizinische Empfehlung ausgesprochen.

Wir bestellten etwas Deftiges, dazu kalte Getränke, und der Mittag bekam genau die richtige Richtung: locker, nicht zu romantisch, nicht zu übertrieben, aber mit genug Neckerei, damit es nicht langweilig wurde. Ploy erzählte von Freundinnen, die in verschiedenen Bars arbeiteten, von Touristen, die zu viel reden und zu wenig verstehen, und von ihrer Theorie, dass deutsche Männer meistens so tun, als hätten sie alles geplant, aber Pattaya am Ende trotzdem gewinnt.

Ich konnte schlecht widersprechen.

15:30 Uhr – Siesta, Hitze und Pattaya im Vorabendmodus

Am Nachmittag wurde es heiß und zäh. Diese Stunden in Pattaya sind oft die merkwürdigsten: Die Stadt ist wach, aber noch nicht richtig im Abendmodus. Bars bereiten vor, Restaurants füllen langsam ihre Kühlschränke, Mädchen fahren mit Motorbikes zur Arbeit, Lieferfahrer kämpfen sich durch den Verkehr, und irgendwo hängt immer der Geruch von Grillfleisch und Abgasen in der Luft.

Ploy musste kurz weg, wollte sich aber später wieder melden. Ich nutzte die Pause, ging ein Stück Richtung Beach Road und ließ den Tag einfach laufen. Keine große Aktion, kein Programmzwang. Genau das tut zwischen den Nächten gut. Pattaya muss man nicht permanent jagen. Manchmal reicht es, stehen zu bleiben und zuzusehen, wie die Stadt sich selbst vorbereitet.

18:00 Uhr – Abendessen bei Indian by Nature

Am frühen Abend trafen wir uns wieder in Richtung Thappraya Road bei Indian by Nature. Nach Seafood, Thai Food und Streetfood der letzten Tage war indisches Essen eine gute Abwechslung. Schon beim Reinkommen war die Atmosphäre anders: ruhiger, stilvoller, gedämpfter. Keine Strandkulisse, kein Marktchaos, sondern ein Restaurant, das auf Details achtet.

Ploy war zuerst skeptisch. „Spicy same Thai?“ fragte sie. Ich sagte, anders spicy. Sie grinste: „Then you cry different way.“

Das Essen war stark. Aromatisch, würzig, warm, nicht einfach nur scharf um der Schärfe willen. Wir teilten mehrere Gerichte, probierten Saucen, Brot, Reis und kleine Vorspeisen. Ploy kommentierte alles direkt. Wenn ihr etwas gefiel, nickte sie knapp. Wenn etwas ungewohnt war, zog sie die Augenbraue hoch und sah mich an, als hätte ich persönlich die indische Küche erfunden.

Der Abend bekam dort eine ruhigere Note. Kein Lärm, kein Druck, keine blinkenden Lichter. Nur gutes Essen, Gespräche und dieses leise Knistern, das entsteht, wenn ein Tag langsam in eine Nacht kippt. Ploy erzählte, dass sie später Lust auf Musik hätte, aber nicht sofort auf einen Club. Das passte perfekt.

21:30 Uhr – Hot Tuna Bar: Gitarren, Walking Street und alte Pattaya-Energie

Gegen halb zehn standen wir auf der Walking Street. Es war einer dieser Momente, in denen Pattaya den Schalter umlegt. Tagsüber ist die Straße fast unspektakulär, aber nachts wird sie zu einem eigenen Tier: Licht, Stimmen, Bass, Parfum, Rauch, Verkäufer, Gruppen von Touristen, Ladyboys, Security, Bar-Girls, Musik aus allen Richtungen.

Unser erster Stopp war die Hot Tuna Bar. Keine sterile Lounge, keine künstliche Eleganz, sondern Rockmusik, Gitarren, Drinks und diese rohe Walking-Street-Energie, die man nicht nachbauen kann. Ploy kannte den Laden und meinte nur: „Here old style, but good.“

Drinnen war es laut, aber nicht unangenehm. Die Band spielte mit Druck, die Gitarren klangen satt, und das Publikum war eine Mischung aus Expats, Touristen und Leuten, die einfach mal keine EDM-Nacht wollten. Wir setzten uns nicht weit von der BĂĽhne, bestellten Drinks und lieĂźen uns von der Musik mitziehen.

Ploy war plötzlich ganz in ihrem Element. Sie sang Textzeilen mit, lachte, zog mich näher und tippte mir im Rhythmus gegen den Arm. Ich merkte wieder: In Pattaya entscheidet oft nicht der Ort allein, sondern wer neben dir sitzt. Eine Bar kann durchschnittlich sein und mit der richtigen Begleitung großartig werden. Hot Tuna war heute beides: ein guter Ort und die richtige Begleitung.

00:15 Uhr – Lucifer Club Pattaya: Später Wechsel in die Clubnacht

Nach Mitternacht wollte Ploy doch noch tanzen. Natürlich wollte sie das. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen. Also wechselten wir weiter zum Lucifer Club Pattaya. Die Walking Street war jetzt voll in Fahrt. Gruppen drängten sich aneinander vorbei, Musik kam aus jeder Tür, und überall versuchte jemand, einen davon zu überzeugen, dass genau diese Bar die beste Entscheidung des Lebens sei.

Lucifer hatte dieses typische Nachtclubgefühl: dunkler, voller, enger, lauter. Licht bewegte sich über die Gesichter, Bass vibrierte im Körper, und irgendwo zwischen Hip-Hop, Clubsound und Stimmengewirr verlor der Abend endgültig seine ruhige Linie.

Ploy zog mich auf die Tanzfläche, ohne vorher ernsthaft zu fragen. Ich ließ mich mitziehen. Manchmal ist Widerstand in Pattaya nur Energieverschwendung. Sie tanzte leicht, selbstbewusst und mit diesem frechen Lächeln, das sie schon den ganzen Tag getragen hatte. Ich hielt mich solide, zumindest meiner eigenen Einschätzung nach. Ploy sah das vermutlich differenzierter, aber sie lachte und blieb bei mir – also konnte es nicht völlig katastrophal gewesen sein.

Zwischendurch standen wir am Rand, tranken etwas Kaltes und beobachteten die Menge. Genau das liebe ich an Pattaya-Nächten: Jeder spielt eine Rolle, aber niemand gibt es zu. Der Geschäftsmann, der plötzlich Tänzer sein will. Der Backpacker, der denkt, er hätte das System verstanden. Die Thai Girls, die längst zehn Schritte weiter sind als alle Männer im Raum. Und mittendrin ich, 54 Jahre alt, mit Sonnenbrille, Bart und dem festen Vorsatz, morgen etwas früher ins Bett zu gehen. Ein Vorsatz, der schon in dem Moment unglaubwürdig klang.

02:30 Uhr – Zurück durch das Neonlicht

Gegen halb drei war für mich Schluss. Ploy blieb noch mit einer Freundin in der Nähe der Walking Street, und wir verabschiedeten uns locker. Kein Drama, keine großen Versprechen. Ein kurzer Kuss, ein Lächeln, ein „See you, maybe tomorrow“ – genau diese Pattaya-Art von Nähe, die nie schwerer sein muss, als sie ist.

Auf dem RĂĽckweg war die Stadt noch lange nicht mĂĽde. Die Walking Street leuchtete weiter, Motorbikes warteten am Rand, Stimmen mischten sich mit Musik, und die Nacht roch nach Alkohol, Grillrauch, Meerluft und Abenteuer.

Donnerstag war damit offiziell zurück im Nightlife-Modus. Kein Ausflugstag, kein Tempel, kein ruhiger Marktabschluss. Heute war Pattaya wieder Pattaya: ein bisschen laut, ein bisschen verrückt, ein bisschen verführerisch – und genau deshalb schwer zu verlassen.

Location-Infos zum heutigen Tag

The Sportsman Pub & Restaurant: Klassischer Pub und Restaurant in der Soi 13 nahe Beach Road. Gut fĂĽr FrĂĽhstĂĽck, Lunch, SportĂĽbertragungen, Pubfood und einen entspannten Start in den Tag.

Indian by Nature: Stilvolles indisches Restaurant an der Thappraya Road mit ruhiger Atmosphäre, aromatischer Küche und gutem Service. Ideal für ein Abendessen vor dem Nightlife.

Hot Tuna Bar: Rockbar auf der Walking Street mit Live-Musik, Gitarren und klassischer Pattaya-Energie. Gute Wahl, wenn man statt EDM lieber Rock und Bar-Atmosphäre will.

Lucifer Club Pattaya: Bekannter Club auf der Walking Street mit spätem Nachtbetrieb, Clubsound, Tanzfläche und intensiver Walking-Street-Stimmung.

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